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Der
Mitteleuropäer kennt als essbaren Teil die Früchte des Feigenkaktus,
die bei uns inzwischen schon ganzjährig in Feinkostgeschäften
oder Märkten angeboten werden. Opuntien bilden Scheinfrüchte,
sogenannte Beeren, deren Fruchtknoten mit dem Achsengewebe verwachsen
ist. Die Früchte des Feigenkaktus stehen fast ausschließlich am
Rand der endständigen Platycladien. Sie sind mit etwa 5 - 8 cm
doppelt so lang wie breit. Ihre Fruchtschale ist relativ dick
und in regelmäßigen Abständen mit Areolen besetzt, die Glochiden
tragen. Diese Tatsache gestaltet die Ernte schwierig und macht
Handschuhen erforderlich, um die Stacheln gleich bei der Ernte
zu entfernen.
Die
Früchte der Opuntie sind saftig und stillen hervorragend den Durst.
Das korallfarbene oder rote Fruchtfleisch mit seinen kleinen,
dunklen, essbaren Kernen ist leicht säuerlich und hat ein blumiges
Aroma. Vor allem als Frischobst, zur Saft- und Marmeladenherstellung
eignen sich die exotischen Früchte.
In
Mexiko, Nord-, Ost- und Südafrika trägt die Frucht in beachtlichem
Umfang zur Ernährung der ländlichen Bevölkerung während der Sommermonate
und in verarbeiteter Form auch in den übrigen Jahreszeiten bei.
Überall da, wo der Feigenkaktus heimisch geworden ist und einen
bestimmten Anteil an der Gesamtvegetation ausmacht, werden die
Früchte von der ansässigen Bevölkerung für den Eigenbedarf oder
zum Verkauf an Straßen bzw. auf den Märkten in den kleineren Städten
der Region geerntet. Noch wenig ausgeprägt sind die industrielle
Verwertung und der Handel, der durch die kurze Lagerfrist der
Früchte beschränkt ist.
Die Erntezeit der Früchte beträgt einige Monate (Sizilien: 2-3,
Mexiko: 4, Erithrea: 6) meistens beginnend mit dem Juli. Um die
Ernte gerade für die tägliche Frischobstversorgung der Kleinbauern
oder als Nebenerwerbsquelle übers ganze Jahr ausdehnen zu können,
wird in Mexiko zunehmend die Art Opuntia joconostle angebaut,
die gleichzeitig 2 Generationen von Früchten trägt: Während im
Juli/August noch die vollreifen Früchte des Vorjahres geerntet
werden, trägt die Pflanze bereits die neuen noch unreifen aber
schon zu voller Größe herangewachsen Früchte des neuen Jahres.

Vor allem in Mexiko verarbeiten Familien oder kleinere Betriebe
die Früchte (tuna) zu Sirup, Gelees und Marmeladen (melcocha),
Trockenfrüchte (pasadas), Honig (miel de tuna), Fruchtpasteten
oder Käse (queso de tuna), Wein, Branntwein, Alkohol (Hoffmann
1988). Durch Gärung wird aus den Früchten schon seit aztekischer
Zeit ein alkoholisches Getränk hergestellt, der Colonche. Gern
geben die mexikanischen Indianer auch dem Pulque, einem berauschenden
Getränk aus dem Saft der Agave, zur Geschmacksverbesserung Kaktus-Fruchtsaft
bei.
Siehe
auch:
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